True Disruption vs. New Work-Geplapper

Wir stehen an einem historischen Wendepunkt, wie sich die Zukunft der Arbeitswelt entwickeln wird: Multiple Stapelkrisen, #Fachkräftemangel, die Gleichzeitigkeit von Mitarbeitereinstellungen und -freistellungen bei ein- und demselben Arbeitgeber, Generationenwechsel, neues Werteverständnis von Erfolg, zeitgemäßer Führung und attraktiver Arbeit treffen auf technologische Innovationen, die das zukünftige Arbeiten von jedem von uns substantiell transformieren werden. Wissensarbeiter, Kreative, Wissenschaftler, Ärzte, Lehrende sowie Mitarbeiter in produzierendem Gewerbe und Handwerk sind allesamt betroffen, wenn auch nicht in gleichem Umfang. Doch für alle gilt: Je besser sich jeder einzelne sowie ganze Belegschaften auf diesen Wandel vorbereiten, desto besser können die signifikanten Chancengenutzt werden, die sich aus dieser neuen Arbeitswelt ergeben werden. Gleichzeitig lassen sich die Risiken, subeffizient zu arbeiten, zukünftig nicht mehr benötigt oder an den Anforderungen des Arbeitsmarkts vorbeiqualifiziert zu werden, minimieren. Tatsache ist:

Disruption findet gerade im wortwörtlichen Sinne statt: Die (Arbeits-)Welt wird sich in den kommenden Jahren schneller und tiefgreifender verändern als die meisten Menschen derzeit begreifen.

Daher ist Transparenz gefragt, wie sich die Arbeitswelt der Zukunft bis 2030 verändern wird.

Eine kurze Anmerkung vorweg: In vielen Diskussionen der letzten Zeit rund um #NewWork wurde der Begriff „#Disruption“ inflationär verwendet, weil er Aufmerksamkeit erzeugt; doch vor lauter New Work-Geplapper über Themen wie „Vier-Tage-Woche“ und „hierarchiefreies Arbeiten“ laufen wir derzeit Gefahr, die echten Umbrüche und wesentlichen Trends zu übersehen, die nachhaltige Game Changer und wahre Disruption darstellen und vor allem über über unsere zukünftige Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland entscheiden werden.

Solche echten Umbrüche erleben wir gerade, die durch die nachfolgenden 10 Trends beschrieben werden:

10 Kernthesen, wie sich die Zukunft der Arbeit bis 2030 entwickeln wird und wie wir uns darauf einstellen können

  1. Krise und Transformation sind nicht die Ausnahme unserer aktuellen Zeit, sondern bleiben die Regel. Investitionen in individuelle Krisen- und Transformationskompetenz zahlen sich aus. Hierzu zählen u.a. die Stärkung von Problemlösungskompetenz, Lern- und Anpassungsfähigkeit und Resilienz. Entgegen der weit verbreiteten Meinung hängen diese Fähigkeiten nur zu einem gewissen Teil von der angeborenen Persönlichkeit ab und lassen sich gezielt trainieren.
  2. Der jetzt schon spürbare Arbeits- und Fachkräftemangel weitet sich aus. Bis zum Jahr 2030 werden ca. fünf Millionen Mitarbeiter in Deutschland fehlen, weil Jahr für Jahr Hunderttausende mehr in den Ruhestand gehen, als Arbeitskräfte nachrücken. Dieser historische Fachkräftemangel muss durch die Kombination aus den Stellhebeln „weitere Automatisierung und verstärkter Einsatz von Technologie“, „bedarfsgerechte Aus- und Weiterbildung“, „qualifizierte Zuwanderung“ und „bessere Nutzung des weiblichen Arbeitskräftepotenzials“ geschlossen werden.
  3. Die Arbeitswelt bleibt hybrid, es kommen aber neue Möglichkeiten des virtuellen Zusammenarbeitens hinzu, die darauf abzielen, die heute existierenden Nachteile der virtuellen Kollaboration und Kommunikation zu minimieren. Wir werden bis 2030 in bestimmten Anwendungsfeldern wie technischen Trainings, Recruiting, Onboarding oder Vertrieb im #Metaversumarbeiten. Wie werden verstärkt über #Hologramme und über persönliche Avatare im dreidimensionalen Internet kommunizieren, die schon in den nächsten Jahren die jetzige Form der virtuellen Zusammenarbeit so veraltet erscheinen lassen wie heutzutage die Kommunikation über das Faxgerät. Gerade begehrte Tech-Talente erwarten von attraktiven Arbeitgebern, sich bei diesen Entwicklungen „vor die Welle“ zu setzen und die neuen Formen der hybriden Arbeitswelt heute schon zu testen, um sie in der richtigen Form sukzessive einzuführen.
  4. Die Büros der Zukunft von Wissensarbeitern transformieren sich. Büroflächen reduzieren sich deutlich und werden neu ausgerichtet: Weg von Orten der Arbeitsverrichtung zu Räumen für soziale Begegnungen, für den vertrauensvollen und kreativen Austausch und zur Stärkung des „Wir-Gefühls“. Büros der Zukunft sind so konzipiert, einen „Pull- statt Pusheffekt“ zu erzeugen, d.h. sie ziehen Mitarbeiter aufgrund ihrer attraktiven Gestaltung physisch ins Büro, anstelle eine starre Anzahl an Präsenztagen top-down zu verordnen.
  5. Der Einsatz von #Cobots, also Robotern als Kollegen, und #KI weiten sich aus. Gerade die Leistungsfähigkeit und damit Anwendungsmöglichkeiten von #künstlicheIntelligenz entwickelt sich exponentiell weiter. Die dahinter liegende Technologie wird eine wesentliche Infrastruktur der künftigen digitalen Welt bilden, die eine neue Generation an Internetdiensten, Geschäftsmodellen und vor allem neuen Kooperationsformen zwischen Mensch und Maschine hervorbringen wird. Bill Gates schätzt diese Entwicklung so wichtig ein wie einst die Erfindung der Internets. Auch wenn diese Aussage durchaus nicht frei von Eigeninteressen zu werten ist, so ist die dahinterliegende Kernaussage nicht von der Hand zu weisen: Nämlich dass bereits in naher Zukunft KI-Anwendungen omnipräsent sein und uns als „digitale Co-Piloten“ assistieren werden.
  6. Die Arbeitswelt der Zukunft erfordert es, unsere „humane USP“ (Unique Selling Proposition) zu stärken und uns als Menschen bewusst die Frage zu stellen, was unser humanes Alleinstellungsmerkmal ist, das nicht durch eine immer klüger werdende Technologie zu substituieren ist. Vermeintlich „weiche Sozialkompetenzen“ wie #Empathie, Fingerspitzengefühl in der Kommunikation, Intuition und vor allem die Fähigkeit, emotionalen Mehrwert zu stiften, werden zur „harten Währung“ in einer zunehmend technologisierten Arbeitswelt.
  7. Fortlaufende berufliche Weiterbildung ist Pflicht, nicht Kür, kontinuierliches Up- und Reskilling wird zu elementarem Bestandteil jeder Aufgabenbeschreibung und Zielvereinbarung. Die Bedeutung von Eigenverantwortung für #lebenslangesLernen steigt.
  8. Eine exzellente und zugleich lernförderliche Unternehmenskultur wird erfolgskritisch, um Talente ins Unternehmen zu holen und zu binden. Führungskräfte, die nicht als „Talentmagnete“ wirken, werden einer wesentlichen Aufgabe ihrer Führungsrolle nicht gerecht.
  9. Die Bedeutung „organisationaler Agilität“ steigt. Ressourcen kurzfristig dorthin zu transferieren und wirkungsvoll einzusetzen, wo sie angesichts dynamischer Veränderungen am meisten benötigt werden, wird immer wichtiger. Dies setzt eine gezielte Transformation von Regelwerken, IT-Systemen, Kultur und Mindset der Belegschaft voraus.
  10. Die Kombination aus fundierter Technologie- und Sozialkompetenz stellt das neue „sexy“ am Arbeitsmarkt dar. In beide Kompetenzbereiche muss laufend investiert werden, denn gerade dieser Mix ermöglicht es, den Paartanz aus Mensch und Maschine wirkungsvoll gestalten zu können.

Fazit: Eine neue Aufgabenverteilung von Mensch und Maschine steht an

In der Arbeitswelt der Zukunft kommt es zu einer neuen Verteilung der Aufgaben zwischen Mensch und Maschine, um ein leistungsstarkes, effizient arbeitendes Team zu formen. Es wird unter den Menschen Gewinner und Verlierer geben. Die Chancenpotenziale in Summe sind groß, um durch Technologie zu einer humaneren Arbeitswelt zu kommen, in der Aufgaben effizienter und besser gelöst werden können und die Maschinen uns gerade bei langweiligen, unangenehmen, erschöpfenden, gefährlichen oder komplexen und zeitintensiven Tätigkeiten assistieren werden. Klare Verlierer werden in Zukunft diejenigen sein, die sich im Mittelmaß bewegen, wenig emotionalen Mehrwert stiften und nicht lern- und anpassungsbereit sind. Diese Menschen laufen Gefahr, in Zukunft von den Maschinen vom Parkett geschubst zu werden, weil sie den stärkenbasierten Paartanz nicht beherrschen und ein Solo der Maschinen die effektivere Lösung ist.

Was meint Ihr?